| Der Gedanke der Qualitätssicherung und einer
Qualitätsgarantie reicht bis in die Vorgeschichte der Kulturen
zurück. In diesem Kapitel soll jedoch die Entwicklung des
Qualitätsmanagements in diesem Jahrhundert im Vordergrund
stehen. Bild 1 zeigt neben den einzelnen Entwicklungsstufen einige
Vordenker des Qualitätsmanagements, die die jeweiligen Stufen
maßgeblich geprägt haben. Zu beachten ist, dass die Zeit
Ihres Wirkens dabei in der Regel weit vor der dargestellten
Umsetzung ihrer Ideen und Konzepte lag. 
Bild 1: Entwicklungsstufen des
Qualitätsmanagements Bis Anfang dieses Jahrhunderts blieben in der industriellen
Produktion die einzelnen Fertigungsschritte zur Herstellung eines
Produktes - wie in den Manufakturen vor der industriellen
Revolution - im wesentlichen im Verantwortungsbereich eines
Werkers, der damit auch die Qualität seiner eigenen Arbeit
prüfen konnte. Die gestiegene Nachfrage nach Gütern aller Art zu Beginn
des 20. Jahrhunderts machte eine geänderte
Produktionsstrategie notwendig. Um den Produktionsausstoß der
Fabriken zu erhöhen, spezialisierten sich Gruppen von Werkern
unter der Leitung eines Vorarbeiters auf einzelne
Fertigungsschritte. Die Qualitätsprüfungen wurden durch
den Vorarbeiter durchgeführt, der für die Qualität
der unter seiner Aufsicht durchgeführten Arbeiten
verantwortlich war. Etwa zur Zeit des ersten Weltkrieges wurden die ersten
Vollzeit-Qualitätsprüfer eingesetzt. Nach
Überlegungen des Ingenieurs Frederick W. Taylor sowie dem
Konzept von Henry Ford zur Produktion des Modell "T" (Tin Lizzie),
wurden die Fertigungsvorgänge in einzelne Arbeitsschritte
zerlegt, die dann von den geeignetsten Arbeitskräften
ausgeführt wurden. Diese als Funktionsmeisterprinzip
bezeichnete Arbeitsorganisation führte dazu, dass in der
Produktion am Band vor allem ungelernte Werker eingesetzt wurden,
die aufgrund ihrer geringen Qualifikation die Prüfung der
hochtechnisierten Produkte nicht durchführen konnten. Es
entstanden Qualitätsprüfabteilungen, die
ausschließlich für die Überwachung der
Qualität der Produkte verantwortlich waren. Noch bis in die 50er Jahre hinein war der Ansatz Taylors der
Arbeitsorganisation weitgehend akzeptiert. Bild 2 zeigt wesentliche
Auswirkungen dieser Theorie auf das Qualitätsmanagement. 
Bild 2: Auswirkungen der Taylor'schen Arbeitstheorie Mit Beginn der Massenproduktion wurde immer deutlicher, dass
eine 100%-Kontrolle der gefertigten Produkte zu aufwendig ist.
Diese wurde durch eine Teilkontrolle auf der Basis statistischer
Verfahren ersetzt, um die Leistungsfähigkeit und den Durchsatz
der Prüfabteilungen zu erhöhen. Das notwendige
statistische Know-how war bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts
vorhanden, wurde aber erst ab etwa 1930 in der Industrie
eingesetzt. 1924 wurden Methoden zur kontinuierlichen
Prozessbeobachtung und -bewertung auf statistischer Basis
("Kontroll-Karten", Statistische Prozessregelung) entwickelt. In den 60er und 70er Jahren führte eine zunehmende
Komplexität der Produkte und Fertigungsprozesse zu einer
stärkeren Integration des Qualitätsmanagements in den
Produktentwicklungs- und Herstellprozess. Ziel der Bemühungen
war und ist es, Fehler nicht erst dort, wo sie entdeckt werden,
sondern dort, wo sie entstehen, zu beseitigen, denn je später
ein Fehler entdeckt wird, desto höher sind die Kosten der
Fehlerbehebung (Bild 3). Reine Kontrollmaßnahmen treten
demgegenüber in den Hintergrund. 
Bild 3: Fehlerentstehung und -behebung im
Produktlebenslauf (nach Pfaff Industriemaschinen GmbH) Die wesentlichen Änderungen im Bereich des
Qualitätsmanagements, die sich in den letzten 20 Jahren
vollzogen haben, lassen sich in drei Kernpunkten
zusammenfassen: - Möglichst weitgehende Vorverlagerung von
Qualitätsprüfungen mit dem Ziel, Ausschuss und Nacharbeit
nicht qualitätskonformer Produkteinheiten von vornherein zu
vermeiden.
- Zunehmende Anwendung statistischer Verfahren schon bei der
Qualitätsplanung (Methoden des DoE - Design of Experiments,
Statistische Versuchsplanung)
- Zunehmende Automatisierung des Qualitätsmanagements und
Einführung computergestützter Mess- und
Auswertetechniken
Das Idealziel der Zukunft ist eine "beherrschte Fertigung", bei
der überhaupt kein Ausschuss mehr auftritt. Dazu müssen
qualitätssichernde Maßnahmen in allen Bereichen des
Unternehmens und auch in allen Phasen der Produktentstehung
angewendet werden. Ebenso sind die Zulieferer in eine solche
Strategie -einzubeziehen. Ausdruck dieser Bemühungen um eine
Null-Fehler-Produktion sind Qualitätsphilosophien wie Total
Quality Management (TQM), Total Quality Control (TQC) und
Company-Wide Quality Control (CWQC) mit deren Umsetzung zur Zeit
begonnen wird. Unter dem Aspekt TQM ist die ständige
Qualitätsverbesserung eine Aufgabe, die Geschäftsleitung
als Unternehmensziel vorgeben und verantworten muss. Qualität
wird damit ein strategisches Unternehmensziel. Die
Qualitätspolitik eines Unternehmens hat zum Ziel, der
Qualität als einem bedeutenden Erfolgsparameter im Unternehmen
den notwendigen Stellenwert zu verschaffen. |